Praxis für psychologische Beratung

Coaching mit Herz ... und Verstand!

Fallbeispiel - Frau H. möchte nicht mehr weinen....

Als Frau H. in meine Beraterpraxis kommt, sind wir uns auf Anhieb sympathisch. Sie kommt mit einem herzlichen Lächeln auf den Lippen, das so gar nicht auf das Thema schließen lässt, das sie mit mir bearbeiten möchte. Nach einem kurzen Kennenlernen erzählt sie, sie breche "ständig" in Tränen aus, selbst in Situationen, die "eigentlich schön" seien. Familienfeiern, Geburtstage, Hochzeiten,.... . Besuch von Sohn und Schwiegertochter, vor allem aber dann, wenn diese wieder nach Hause fahren. Sie habe unglaublich nah am Wasser gebaut und das sei ihr immer sehr unangenehm und peinlich. Das wolle sie am liebsten "weg haben".

Willst Du ein Gefühl oder Verhalten "los werden", bekämpfst Du einen Teil Deiner selbst!

Wir besprechen zunächst, warum die Tränen Frau H. unangenehm sind und finden die positiven Seiten dieses Verhaltens. Wer sagt denn überhaupt, dass "man so etwas nicht tut"? Frau H. lernt, liebevoller und gnädiger auf sich selbst zu schauen.

Dennoch möchten wir gemeinsam der Sache auf den Grund gehen. Im NLP gehen wir davon aus, dass jedes Verhalten, jedes Gefühl als es entstanden ist, etwas Positives erreichen wollte, wir unterstellen eine positive Absicht des Verhaltens. Wenn wir nun diesen inneren Anteil, der etwas Gutes für uns erreichen wollte, bekämpfen, so bekämpfen wir einen Teil von uns selbst.

In vertiefter Entspannung befrage ich Frau H., was sie denkt in solchen Situationen, was sie fühlt, und wo im Körper sie das spüren kann. Kennt sie dieses Körpergefühl von früher? Wir fragen ihren inneren Anteil, wenn man so will, was dieses Gefühl oder Verhalten sicher stellen will. Was ist die positive Absicht dahinter. Solch ein Prozess braucht manchmal seine Zeit, solche Zwiegespräche mit uns selbst sind ungewohnt. Doch sehr bald kommt in Frau H. eine Erinnerung hoch:

Als kleines Mädchen, vielleicht mit 6,7 Jahren, hat von heute auf Morgen ihre Tante, eine wichtige Bezugsperson, ihr Leben verlassen. Kurzfristig, überraschend und ohne nähere Begründung. Ihr Bruder und sie hätten darüber viele Tränen vergossen damals. Doch im Laufe der Jahrzehnte war die Erinnerung verblasst.

Schlagartig ist klar, warum Frau H. so schnell, insbesondere in (wenn auch kurzen) Trennungssituationen und am Ende bestimmter Lebensabschnitte in Tränen ausbricht. Sie ist verblüfft, kann das Gefühl und seine Entstehung jetzt besser einordnen.

Wenn wir erkennen, welchen Ursprung unsere Gefühle in der Vergangenheit haben, können wir das Erlebte von der Gegenwart trennen.

Bereits nach zwei Sitzungen berichtet Frau H. vom Besuch ihres Sohnes mit der Schwiegertochter. Beim Abschied wird ihr bewusst: Sie muss nicht mehr heulen. Die beiden wohnen nicht weit und kommen bald wieder. Die jetzige Situation hat nichts mit dem ursprünglichen Auslöser zu tun und sie kann es jetzt trennen.

Wenn das Erkennen nicht reicht, können wir positive Verstärker und Ressourcen in die Ursprungssituation geben.

Hätte das Erkennen des Auslösers allein nicht gereicht, so hätten wir gemeinsam überlegt, was das 6 jährige Mädchen gebraucht hätte, als es verlassen wurde. Wir hätten diese Bestärkungen und Ressourcen in die damalige Situation gegeben, um das "innere Kind" zu stärken.

Wir können nicht ändern, was geschehen ist, doch wir können beeinflussen, wie wir darüber denken und fühlen.  Das ist eine großartige Leistung unseres Gehirns, die wir uns zunutze machen, um nachhaltige positive Veränderungen zu ermöglichen.

 

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